Fundgrube 2017 - 2018

Postfaktisch stand über meinem Text zum Jahreswechsel 2016 - 2017.
Fundgrube ist das Wort zum Jahreswechsel 2017 - 2018. Eine Fundgrube tat sich auf bei der Suche nach Wahrheit.

Das vergangene Jahr war auf allen Ebenen reich beladen. Es gab Zeiten, in denen ich glaubte, die Last nicht tragen zu können. Doch immer kamen zur rechten Zeit hilfreiche Hände, verständnisvolle Gesten und Worte, eine überraschende Freude und das Gefühl, getragen zu werden.

Der Blick zurück: Nach 30 Jahren Schulleitung konnte ich die Eutonie-Ausbildung an Kolleginnen übergeben, die nicht nur kompetent und erfahren sind, sondern mit denen ich auch menschlich und freundschaftlich verbunden bin. Die Gerda-Alexander-Schule in Offenburg wurde aufgelöst, in Kenzingen wurde eine neue Gerda-Alexander-Schule gegründet mit der Chance für Wandel und Wachstum.

Beim Auf- und Ausräumen der Offenburger Schule waren die Kartons, die ich seit meinem Umzug von Norddeutschland nach Straßburg/Offenburg 1991 nicht mehr aufgemacht hatte, eine große Herausforderung. Es öffnete sich eine wahre Fundgrube.

  • Zuerst wurden die Akten gesichtet, die Gerda Alexander mir übergab, als sie ihre Ausbildung in Kopenhagen beendete: Ein weitverzweigter persönlicher Briefwechsel, Aufzeichnungen ihrer Kurse mit den Arbeitsthemen und Teilnehmer/innen, Dokumente der Ausbildungen in Kopenhagen mit Unterrichtsthemen, Listen, Fotos und Diplom-Zeugnissen der Teilnehmerinnen, Planung, Praxis, Theorie und Organisation im Eutonie-Berufsfeld, dazu Fotos und viele kleine Notizzettel.


Gerda Alexander mit Karl-Heinz Taubert in den 1930er JahrenBesonders wertvoll sind die Briefe von Gerda Alexander, die sie in den Jahren zwischen 1933 und 1988 an ihren Freund Karl-Heinz Taubert schrieb. Sie wurden mir von Klaus Metzmacher, Patenkind von Gerda Alexander und Neffe von Karl-Heinz Taubert, übergeben. Das Bild zeigt Gerda Alexander und Karl-Heinz Taubert in den 1930er Jahren.

Karl Heinz Taubert wurde am 16. Dezember 1912 geboren. Er verstarb am 3. Januar 1990.

Am 19 Mai 1990 wurde ihm posthum der Deutsche Tanzpreis verliehen. Aus der Laudatio: «… „Die Körperbewegung und ihr Gesetz, der Rhythmus und sein Gesetz müssen übereinstimmen, wenn sie überzeugen sollen“, hat Taubert einmal in einem Aufsatz über Fragen des Rhythmus geschrieben. Die Harmonie von Innen und Außen, wie sie auch die Eutonie, der westliche Weg zur Erfahrung körperlich-geistiger Einheit, anstrebt, deren Theorie und Praxis Gerda Alexander, Tauberts langjährige, in Dänemark wirkende Freundin entwickelt hat. Die Harmonie von Körper und Geist war wohl auch das Geheimnis von Tauberts Wirkungskraft und seiner nie erlahmenden positiven Lebenseinstellung.»

Karl-Heinz Taubert, Oktober 1967
Karl-Heinz Taubert, Oktober 1967
  • Dann folgten meine eigenen Bestände, deren Inhalt ich teilweise völlig vergessen hatte: Vor mir lagen die Bücher meiner Mutter, Briefe meiner Eltern und Großeltern seit 1932 und schwarz-weiß-Fotos von ihnen. Ich fand meinen ersten Brief an meinem Vater, der als Soldat in den Krieg ging, als ich 5 Jahre alt war und da lagen getrocknete Blumen, die mein Vater in seinem letzten Brief von der Front in Kurland an meine Mutter schickte.

Jetzt frage ich mich: Was war in diesem Jahr so mühevoll, das Tragen der Umzugskisten oder ihr Inhalt und das Ertragen der dadurch erweckten Emotionen?

Unerwartet war ich konfrontiert mit der wiedergefundenen Vergangenheit. Sie wurde gegenwärtig und bringt mich zu mir selbst.

Da gibt es jetzt ein Urenkelkind und drei fragenden Enkelkinder: „Omi, wie hast Du den Krieg erlebt? Wie ging es Dir nach dem Krieg? Omi, erzähl mal.“ Sie schenkten mir das Buch "Oma erzähl mal" von Elma van Vliet, Droemer Knaur 2008. Ich folgte der Aufforderung und begann zu schreiben: „Ein Buch für Enkelkinder – wir alle sind Enkelkinder“.

Da gibt es vor allem Marc, meinen Mann, der auf Spurensuche in der historischen Orgelwelt ist und mit seinem detektivischen Spürsinn immer wieder fündig wird. Er gibt seine Energie hinein und tankt dabei sichtbar immer wieder neue Energie auf.

Am schönsten ist es, wenn wir uns gegenseitig unterstützen können bei unseren selbst gewählten Aufgaben. Nach einem mehr als 80 Jahre langen Leben gibt es vieles aufzuarbeiten und es gibt immer noch neue Aufgaben. Das Leben ist reich und es liegt an uns, ob wir diesen Reichtum als Last oder Geschenk empfinden – die Wahrheit liegt in uns selbst.

Belastend sind ungelöste Konflikte in menschlichen Beziehungen. Wir erleben sie im beruflichen und im privaten Bereich und sie überfallen uns übermächtig aus der ganzen Welt.

Wieder antwortet ein überraschender Fund auf die Frage nach Wahrheit:

Cartoon Aaron Fischer, Quelle Gefühlte Wahrheit www.zeitblueten.com
Cartoon Aaron Fischer, Quelle Gefühlte Wahrheit www.zeitblueten.com

Ein Cartoon zeigt ganz simpel eine alltägliche Situation. Die Partner oder Kontrahenten nehmen von ihrem Standpunkt her die Fakten wahr. Ihre Wahrnehmung ist ihre Wirklichkeit. Was wäre, wenn sie ihre Standpunkte einmal tauschen würden?

Das Einfache ist oft das Schwerste.

 

In der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel können wir den Wunsch nach Frieden auf Erden ganz oben auf die Wunschliste zu setzen – unser Anteil daran beginnt bei uns selbst.