Dialog

Die Eutonie-Methode versteht ihre Didaktik als einen dialogischen Prozess zwischen Lehrenden und Lernenden.

Zu Beginn des Dialoges wissen die Lehrenden nichts über das Wesen des Lernenden. Allgemeine festgelegte Ratschläge für Veränderungen existieren in der Eutonie nicht. Gemeinsam suchen Lehrende und Lernende mit Akzeptanz und Achtung der gegebenen Grenzen nach neuen Wegen, nach Möglichkeiten für Heilung, Erkenntnis und Entwicklung

Im Dialog, dem Wechsel von einfühlsamem Zuhören und authentischem Sprechen, werden die eigenen Ressourcen entdeckt. Fragen führen die Lernenden zu sich selbst: Selbsterkenntnis statt Belehrung. Dabei werden alle am Dialog Beteiligten zu Lernenden.

Das dialogische Lehren wurde von Sokrates im Umgang mit seinen Schülern eingesetzt. Durch Fragen führte er seine Schüler zur Selbstreflektion. Sein Schüler Platon hat diese Art des Lehrens weiter entwickelt und niedergeschrieben.

Wir finden diesen Grundsatz heute in der Philosophie, der Psychotherapie und der Pädagogik. Dafür stehen Namen wie Martin Buber, Gustav Frankl, Carl Rogers und David Bohm. Das Organum (das Werkzeug) der Philosophie wird von ihnen angewendet.

Der Dialog von David Bohm wird in der Literaturliste der Ausbildung für Eutonie Gerda Alexander aufgeführt. Bohm beschreibt, wie dialogische Gespräche helfen, eigene Bewertungen und Annahmen bewusst wahrzunehmen. Ein teilnehmender Austausch hilft, den Dialogpartner zu verstehen und die eigenen Standpunkte zu hinterfragen.

Akzeptanz auf beiden Seiten kann Standpunkte und Haltungen ändern.

Für Bohm ist der Dialog nicht nur eine Form der Kommunikation, sondern ein Weg zu einer grundlegenden Transformation von einzelnen Menschen und von Gruppen.

Der Philosoph Carlos Fraenkel nutzt dieses Werkzeug der Philosophie. Er beschreibt lebendig, wie Philosophie praktisch eingesetzt wird und was sie bewirken kann. Ein Hoffnungsträger in unserer „zerrissenen Welt“ ist sein Buch: Mit Platon nach Palästina. Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt.

Zitat aus dem Vorwort von Carlos Fraenkel: "Wie gehen wir mit Vielfalt und Meinungsstreit um? Mein Buch soll anhand von Beispielen und Argumenten zeigen, dass es sich lohnt, die Philosophie zu einem Teil unseres persönlichen und öffentlichen Lebens zu machen.“

Carl Hanser Verlag 2016,  ISBN 978-446-25067-3, Titel der Originalausgabe: Teaching Plato in Palestine. Philosophy in a Divided World, Princeton University Press 2015

Anhang Größe
Dialog-2017.pdf62.79 KB 62.79 KB

Neuen Kommentar schreiben

Dieser Test hilft uns automatische SPAM-Einträge zu verhindern.