Autobiographie „Ein Buch für Enkelkinder – wir alle sind Enkelkinder“

In dem Freundeskreis meiner Jungmädchenzeit standen einige Werke der Dichter Hermann Hesse und Ernest Hemingway ganz oben auf der Liste unserer Literatur.

Hesse verwies uns in unser eigenes Inneres und auf die Suche nach uns selbst. Hemingway verlockte uns ins abenteuerliche Außen, seine saloppe Sprache frappierte uns.

Seither waren viele Stufen zu gehen, innen und außen, unsichtbare und sichtbare. Jede Stufe war mit Abschied verbunden. Mir halfen die Worte aus dem Gedicht Stufen (Hermann Hesse):

Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Auch als Hochbetagte (ab 85) muss Abschied genommen werden. Meine Tätigkeiten im Bereich der Eutonie-Methode übergab ich in jüngere Hände. Schweren Herzens kündigte ich meine Mitgliedschaft in den Berufsverbänden DEBEGA und BV-Atem, die für mich beruflich und menschlich ein „Zuhause“ waren.

Meine Mitgliedschaft in der DEGGA erlaubt mir mein Alter noch.

Dem Abschied von der Tätigkeit für die Eutonie-Methode wohnt ein Zauber inne, der ein Geschenk meiner drei Enkelkinder Hannah, Daniel und Nina ist. Sie nahmen Anteil an „Omis“ Leben. Oft fragten sie mich nach meinem früheren Leben, besonders in Bezug zur Geschichte. So lenkten sie meinen Blick auf eine besondere Weise in die Vergangenheit.

Damit ich ihnen sorgsam antworten konnte, bat ich sie, mir ihre Fragen schriftlich zu geben.

Sie umschließen einen weiten Bogen, begonnen in meiner frühesten Kindheit bis zum Alter. Einige Beispiele:

  • Gab es auch schöne Erinnerungen trotz des Krieges? Wie hast du als Kind den Nationalsozialismus erlebt? Wie war der Alltag im Krieg und nach dem Krieg?
  • Wart ihr religiös? Bist du sonntags in die Kirche gegangen?
  • Hattest du jüdische Freunde? Wurde in der Familie ‚darüber‘ geredet?
  • Nachkriegszeit: Wie hast du den ‚Wandel der Gesellschaft miterlebt? Oder gab es gar keinen? Welchen Berufswunsch hattest du damals?
  • Wie kam es zu dem Wunsch, bei Gerda Alexander eine Ausbildung zu machen?
  • Was hat damals Eutonie für Dich bewirkt und bedeutet?
  • Gibt es eine Lebensweisheit? Wenn ja, wie lautet deine?
  • Was kommt nach dem Tod?

Diese Fragen ließen mich tief eintauchen in die Vergangenheit, Erinnerungen wurden lebendig. Sie sind verbunden mit aufrichtenden Bestätigungen, schwächenden Konfrontationen und Enttäuschungen, mit heller Freude und dunklem Schmerz.

Der zu den Stufen gehörende Abschied verwandelte sich jetzt in eine Heimkehr.

Bei der Bewältigung heftiger Emotionen halfen mir die Worte von Søren Kierkegaard:Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, es muss aber vorwärts gelebt werden.“

Nun begann ich, den Sinn der schmerzlichen Erfahrungen zu verstehen. Aus dem Verständnis entwickelte sich Versöhnung mit den dunklen Seiten des Lebens, Versöhnung mit Menschen und mit mir selbst. Dafür danke ich meinen Enkelkindern.

Aus meinen Antworten wurde ganz ungewollt meine Autobiographie. So entstandEin Buch für Enkelkinder – wir alle sind Enkelkinder“. Dieses Buch ist Ihnen und allen Enkelkindern gewidmet.

Das Buch wird zurzeit für die Veröffentlichung vorbereitet im utzverlag / Literareon.